Die Hochzeit – Ausstellung im Heimatmuseum

Glückliche tun es nur einmal im Leben – Kanzlerin Merkel hat es zweimal gemacht, Ex Kanzler Gerhard Schröder fünfmal. Die Schauspielerin Elizabeth Taylor sogar stolze acht Mal. Bei manchen hält es nur wenige Wochen, bei Queen Elizabeth II hält es seit über 70 Jahren. Das Heimatmuseum Reutlingen widmet mit  “ Die Hochzeit – das  Fest,  Traditionen und Trends “ einem der  wichtigsten Tage im Lebens eine Themenausstellung.

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Das Geheimrezept für eine lange und glückliche Ehe verrät die neue Ausstellung leider nicht. Dafür erzählen die Ausstellungsmacher anhand ausgewählter Exponate die Geschichte des romantischen Familien-Festes in den vergangenen 200 Jahren. Wobei Romantik und Liebe bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts eine untergeordnete Rolle spielen. Die Heirat war in erster Linie eine „Verbindung von zwei sozial wie ökonomischen ähnlichen Familien“ so die nüchterne wissenschaftliche Definition. Belege dafür sind handschriftliche Listen mit der Aussteuer, die  junge Bräute in die Ehe einbringen.

Die Hochzeit im Jahr 2019 – durchgeplant und durchgestylt

Durch einen ‚Ja‘ verzierten Torbogen betritt man den Raum, der durch die vielen Brautkleider fast wie eine kleine Hochzeitsmesse wirkt. Sieben Themenbereiche, die eng mit der Fest und dem Drumherum verbunden sind, zeigen den Bedeutungswandel. Stellvertretende kommen Personen zu Wort, die Fachfrau oder Fachmann auf Ihren Gebieten sind.  Im normalen Leben garantieren Sie dafür, dass der Start in die Ehe unvergesslich wird. Der Juwelier für die Trauringe, die Hochzeitsplanerin, der Standesbeamte, die Brautmodenausstatterin, die Floristin, die Fotografin und der Tortenbäcker, selbstverständlich alle hier aus der Region. Zahlreiche Objekte aus unterschiedlichen Epochen belegen die Entwicklung bis in unsere Zeit, wo die Hochzeit ein professionell durchgestyltes Event ist. Die Planungen dafür beginnen meist schon ein Jahr oder mehr im Voraus. Immer an der Seite die Hochzeitsplanerin, einen Berufsbild, das sich erst in unserer Zeit entwickelt hat. Entsprechende Formate im Fernsehen prägen vor allem bei jungen Bräuten das Bild der perfekten Hochzeit.

 

 

Am deutlichsten wird die Veränderung bei den Brautkleidern. Bis in die 1920er Jahren heiraten Bräute überwiegend in Schwarz. Die Kleider sind festlich, und werden in der Folge von den Frauen zu anderen Anlässen weitergetragen. Zu den ersten weißen Bräuten gehörten Queen Victoria (1840) und Elisabeth von Österreich-Ungarn (1854), besser bekannt als Sisi. Je moderner die Zeiten werden, desto aufwändiger und extravaganter  und traumhafter die Kleider. Lediglich in den Kriegs- und Nachkriegsjahre gibt es aufgrund der Versorgungslage Einschnitte.

bis ca. 1920 tragen auch die Braucht Schwarz bei ihrer Hochzeit

 

Viele vermeintlich alte Traditionen sind jünger als gedacht

Vieles was wir heute als traditionell empfinden sind Bräuche, die es so lange noch gar nicht gibt. Der Junggesellenabschied kam aus dem angloamerikanischen Raum zu uns und ersetzt mehr und mehr den traditionellen Polterabend. Schreiten früher Braut und Bräutigam gemeinsam zur Eheschließung, führt heute meist der Brautvater die Braut zum Altar, wo der künftige Gatte bereits wartet. Auch einen Brauch, der sich aus dem Angloamerikanischen Raum durchsetzt. Keine Hochzeit ohne Hochzeitstorte? Das gilt erst ab den 1960er Jahren, wo mit der Höhe der Damenfrisuren auch die Torten wachsen. Bis dahin gab es zum Festmenü Rührkuchen oder andere einfache Backwerke. Ging man in Reutlingen je nach Geldbeutel in die Harmonie oder das Parkhotel, muss es heute eine prächtige Eventlocation sein.  Ein bis zwei Jahre müssen diese im Voraus reserviert werden, für Spontanität bleibt da wenig Raum.

Die Reutlinger Ausstellung lebt von der Vielzahl von Leihgaben und Bildern aus privater Hand. Gerade diese verleihen dem Thema ein emotionale und persönliche Note. Da gibt es wunderbare Schwarz-Weiß-Fotos von Betzinger Hochzeiten aus den Nachkriegsjahren mit Kindern und ihren Zuckertüten, ebenfalls ein Brauch, der in Vergessenheit geraten ist. Oder die weißen Schuhe einer Braut, die mit Bleistift auf die Sohle geschrieben hat „Die Schuhe sind viel zu groß“. Unzählige Geschichten gibt es auch zu den Hochzeitsgeschenken zu erzählen. Viele bleiben ein Leben lang unbenutzt und  originalverpackt. Andere lösen Verwunderung aus, wie ein Gemälde „Der Schlacht bei Reutlingen“, das sich ein frischvermähltes Ehepaar über das Bett hängte. Heute geht der Trend zu Geldgeschenken. Männer heiraten heute im Schnitt mit 34 Jahren, Frauen mit 31 Jahren. Geschenke für den gemeinsamen Haushalt sind deshalb meist nicht mehr erforderlich.

 

fast nur noch im Museum zu sehen – traditionelle Kopfbedeckungen für Bräute
Was will uns die ehemalige Braut mit dieser Notiz sagen? Brautschuhe aus den 1990er Jahren
Manche Geschenke gefallen, andere nicht. Ungewöhnlich ist sicher dieses Bild fürs Schlafzimmer.

 

Die Hochzeit – Ausstellung voller Erinnerungen und Anregungen

Wer  selbst Ehe-Erfahrung hat, wird sich an der ein oder anderen Stelle wiederentdecken. „So sahen wir auch aus“ oder „genau wie bei uns damals…“ werden sich so manche Ausstellungsbesucher beim Betrachten der Fotos und Objekte denken. Überhaupt sind persönliche Erfahrungen der Besucher gefragt. Wo hat man sich kennengelernt? Welche Erfahrungen hat man mit Polterabend oder Junggesellenabschied? Welches ist das persönliche Rezept für eine glückliche Ehe? Natürlich sind diese Fragen spielerisch zu beantworten, sollen zum Nachdenken anregen und ein Stimmungsbild vermitteln. Besucher im heiratsfähigen Alter können die Ausstellung als Anregung nehmen, bei der eigenen Hochzeitsplanung wieder zu traditionellen Gepflogenheiten zurückzukehren.

“ Die Hochzeit – Das Fest“
Ausstellung im Heimatmuseum Reutlingen
7. April – 8. September 2019

 

 

 

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