Radfahrer lassen Reutlingen beim Fahrradklima-Test 2018 des ADFC schlecht abschneiden

Die Radfahrer in Reutlingen sind unzufrieden mit der Verkehrssituation in Stadt. Reutlingen ist mit diesem Problem allerdings nicht alleine. Der ADFC hat Fahrradfahrer in 683 Städten befragt und die Ergebnisse im Radatlas 2018 zusammengefasst. In der Kategorie ‚Orte mit 100 – 200 Tausend Einwohner“ belegt Reutlingen mit der Gesamtnote 4,34 Platz 33 von 41 Städten.

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Schade, bedenkt man, dass die Stadtverwaltung in den letzten Monaten versucht hat durch gezielte Maßnahmen Pluspunkte zu sammeln. Doch wie schon bei den Umfragen 2014 (Note: 4,4) und 2016 (Note:4,5) bleibt die Zufriedenheit unter Reutlingens Radlern gleichbleibend schlecht. 441 von ihnen hatten sich an der Umfrage des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) beteiligt.

Würde man Autofahrer, Fußgänger oder auch Bahnreisende befragen, das Umfrageergebnis würde wohl auch dort ähnlich ausfallen. Zu lange war der Fokus der Verkehrsplaner in Deutschland auf den Autoverkehr gerichtet. Luftreinheitspläne und Dieselkrise wirken nun wie Katalysatoren, die dies zum Vorschein bringen. Es entsteht der Eindruck, dass überall unter enormen Zeitdruck nach Maßnahmen und Lösungen gesucht wird, die in erster Linie die Statistik aufhübschen, doch für die Betroffenen keinerlei Verbesserung bringen. Die Autofahrer sind genervt von Rückstaus und langen Ampelphasen. Fußgänger erleben Ampelübergänge, die selbst zügige Läufer nicht innerhalb der Grünphase schaffen. Alle untereinander klagen über mangelnde Rücksichtnahme und fehlendes Verständnis der anderen Verkehrsteilnehmer.

Zufriedenheitsindex sinkt bundesweit laut Fahrradklima-Test 2018 weiter

Auf Bundesebene bewerteten die 170.000 Teilnehmer des Fahrradklima-Tests die Situation schlechter als zwei Jahre zuvor. Die Zufriedenheit sank weiter ab auf nun 3,9, 2014 lag dieser Wert noch bei 3,7. Das komplette Ergebnis inklusive der Gewinnerstädte kann unter https://www.fahrradklima-test.de/  nachgelesen werden.

Leider landet Reutlingen nur auf den hinteren Plätzen in der Gruppe Städte mit 100-200 TSD Einwohnern. (Quelle: ADFC)

 

 

Die beste Bewertung erhielt Reutlingen in der Kategorie „Fahrradförderung in jüngster Zeit“. Es wird sehr wohl wahrgenommen, dass die Stadt bemüht ist die Situation für Zweiradfahrer zu verbessern. Allerdings kann man die Frage stellen, ob einige Maßnahmen nicht am Bedarf der Radfahrer vorbeigehen. Eine glatte Fünf gab es für die Breite der Radwege. Verbreitert oder mit bunten Linien ausgebaut wurden Wege, die oft vorher schon gut zu befahren waren. An anderer Stelle wurden Radwege von baulich abgetrennten Fahrradwegen zurück auf die Fahrstraße verlegt, wie in der Ringelbachstraße. Was den ‚flüssigen‘ Autoverkehr blockiert. Ein regelkonformes Überholen mit einem Abstand von 1,5 Metern ist für Autos und Busse fast nicht möglich. Dies verbessert auf keine Weise die Akzeptanz der Radfahrer durch die Autofahrer. Im Gegenteil, als Radfahrer fühlt man sich hier wieder sehr unsicher. Dies schlägt sich wenig überraschend in einer Bewertung von 4,7 in der Kategorie „Sicherheitsgefühl“ nieder.

Viele Maßnahmen in Reutlingen gehen die wirklichen Problembereiche nicht an

Hier ein paar aktuelle Beispiele wie Radfahrinnen und Radfahrern Reutlingen täglich wahrnehmen.

überfüllte Radständer
überfüllte Radständer an einem normalen Tag (April 2018)
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Vielleicht sollten die Mitglieder der Entscheidungsorgane in der Stadt ihre üblichen Fortbewegungsmittel einmal stehen lassen und auf andere Verkehrsmittel, z.B. das Fahrrad, umsteigen, um die Welt aus  Perspektive anderer Verkehrsteilnehmer wahrzunehmen. Bis zus zum Beginn der nächsten Umfrage bleibt noch über ein Jahr Zeit die Situation für Radfahrer zu verbessern. Die jüngst aufgestellten Radservice-Punkte sind eine erster sinnvoller Maßnahme. Es wäre eine tolle Werbung für Reutlingen 2020 zu den Gewinnerstädten in der Kategorie „Aufholer“ zu zählen, die Städten, die sich in ihrer Ortsgröße am stärksten verbessert haben. Eine sofortige Entspannung erreichen wir zur Zeit wohl nur, wenn alle Verkehrsteilnehmer mehr auf die Bedürfnisse anderen Rücksicht nehmen. In diesem Sinne gutes Vorwärts kommen.

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